Die Generalversammlung 2019
der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft

Liebe Freunde,

die Generalversammlung 2018 der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft wird gewiss als ein herausragendes Ereignis in die Geschichte der Gesellschaft eingehen. Zwei Ereignisse ragen – neben weiteren ebenfalls wichtigen und bedeutungsvollen Aspekten – deutlich hervor:

  1. mit der Aufhebung des Beschlusses von 1935, mit dem Ita Wegman und Elisabeth Vreede aus dem Vorstand ausgeschlossen wurden, ist erstmals ein Schritt in der Aufarbeitung der Gesellschaftsgeschichte durch ein Organ der Gesellschaft erfolgt.
  2. Ebenfalls erstmals in der Geschichte der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft ist die Mitgliedschaft den Wünschen des Vorstandes in einer Frage der Vorstandszusammensetzung nicht gefolgt.

Der gesamte Verlauf der Generalversammlung war geprägt durch eine vorgegebene viel zu enge Zeitgestaltung und dem deutlichen Willen des Vorstandes, entgegen entsprechenden Forderungen aus der Mitgliedschaft, den Zeitrahmen nicht zu erweitern. Dadurch war die Generalversammlung von Zeitdruck geprägt, eine angemessene Behandlung der Tagesordnungspunkte war nicht möglich und es kam teilweise zu unwürdigen Situationen, die durch die jeweilige Versammlungsleitung zu verantworten waren. Insbesondere die Abstimmung über eine weitere Amtszeit als Vorstand von Paul Mackay und Bodo von Plato führte zu einer Polarisierung zwischen Gesellschaftsleitung und Funktionären einerseits und einem großen Teil der Mitgliedschaft andererseits, welche dann am Sonntag zum Abschluss der ganzen Tagung nach einer gemeinsamen Klassenstunde in einer regelrechten Mitgliederbeschimpfung durch die Funktionäre gipfelte.

All dies kann hier zunächst nur angedeutet werden und wird in nachfolgenden Beiträgen ausführlich dokumentiert und dargelegt werden.

Ausgesprochen klar war das Votum der Mitgliedschaft für eine tatsachengetreue und wahrhaftigere Berichterstattung in den Gesellschaftsorganen „Das Goetheanum“, „Anthroposophie weltweit“ und im Internet, wie es in dem Mitgliederantrag 8 gefordert worden war. Die Hoffnung, dass durch dieses Votum eine Veränderung eintreten könnte, wurde jedoch bisher enttäuscht, wie aus dem Beitrag im Anhang beispielhaft deutlich wird.

Aus den offiziellen Berichten kann aufgrund der weiterhin einseitigen Berichterstattung für die allermeisten Mitglieder kein Bild des wirklichen Geschehens an der Generalversammlung entstehen. Auch die Hintergründe zu einigen wichtigen Themen, die an der Generalversammlung behandelt wurden, sind weitgehend unbekannt. Auch aus diesem Grund sollen weitere Beiträge folgen. Wer gerne in diesem Sinne selber beitragen möchte, ist herzlich eingeladen.

Mit herzlichen Grüßen

Thomas Heck

PS: Bitte fühlen Sie sich frei, diese Information weiter zu geben bzw. weiterzuleiten. Weitere Interessenten können sich auch gerne auf der Seite www.gv-2018.com/Newsletter in den Verteiler für diesen Rundbrief eintragen. Soweit es möglich und auch leistbar ist, sollen auch die weiteren Beiträge in englischer Sprache erscheinen. Auf www.gv-2018.com sind neben aktuellen Beiträgen auch grundlegende Fragen zur Gesellschaftsgeschichte und zur Konstitution zu finden.

Ein fürwahr wirklich „hässliches Weckwesen“

In dem § 8 der Statuten der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft ist festgelegt, dass für die Aufgaben und Ziele der Gesellschaft ausschließlich der Vorstand zuständig ist und die Generalversammlung kein verbindliches Mitspracherecht hat. Aus diesem Selbstverständnis des Vorstandes heraus wurde bereits vor der Generalversammlung deutlich gemacht, dass die Abstimmungen zu einigen der Anträge nur fakultativ seien, das Ergebnis also für den Vorstand nicht bindend sei. Dies betraf auch den Antrag 8, mit dem der Vorstand beauftragt werden sollte, für eine ausgewogene und der Wahrheit verpflichtete Berichterstattung in den Publikations-Organen der Gesellschaft zu sorgen. Diese Forderung wurde an der Generalversammlung von einer sehr deutlichen Mehrheit unterstützt.

Offensichtlich hat man dieses Votum der Mitglieder tatsächlich nicht wirklich ernst genommen, denn es ist schon bemerkenswert, wie sich die einseitige Berichterstattung in dem Artikel „Hässliche Weckwesen“ von Wolfgang Held in der Wochenschrift vom 20. April 2018[1] fortsetzt, insbesondere, da sich dieser gerade auf die Generalversammlung bezieht, an der eine grosse Mehrheit der Mitglieder für eine andere Art der Berichterstattung votiert hatten. Die Tatsache, dass sich der Kommunikationsbeauftragte der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft und Goetheanumsprecher öffentlich in dieser Art und Weise äussert, ist wirklich sehr bemerkenswert. Von Mitgliedern wird diese Äusserung allerdings nur bedingt wahrgenommen, da viele die Wochenschrift nicht mehr beziehen. (Es wird wohl nicht mehr lange dauern, bis die Auflage unter 5.000 sinkt. Zudem wird im ganzen nicht-deutschsprachigen Raum dieser Beitrag wohl gar nicht wahrgenommen.) Bemerkenswert ist auch, dass sich die hinter diesem Artikel stehende Haltung einerseits öffentlich offenbart, aber nicht wirklich offen gegenüber der gesamten Mitgliedschaft artikuliert wird.

Es folgen Ausschnitte aus dem Artikel von Wolfgang Held mit Kommentierungen (in kursiver Schrift).

»Hässliche Weckwesen«

»Es sei beklemmend wie kaum zuvor gewesen. So beschrieben die Mitarbeitenden in der Cafeteria und am Empfang am Goetheanum die Atmosphäre an der Generalversammlung der Anthroposophischen Gesellschaft, als es um die Bestätigung des Vorstandsamts von Bodo v. Plato und Paul Mackay ging.«

Soll mit dieser Formulierung der Eindruck erweckt werden, dass die Beklemmung der Atmosphäre ausschließlich im Zusammenhang mit der Abstimmung über die Amtszeitverlängerung von Bodo von Plato und Paul Mackay entstanden sind? Zudem ist die Formulierung ungenau, es ging nicht um die Bestätigung des Vorstandsamtes sondern um die Erneuerung der abgelaufenen Amtszeit.

»Irritierend war ebenfalls, dass zur eigentlichen Abstimmung die Anzahl der anwesenden Mitglieder um 300 zunahm.«

Hier hat der Autor ein schlechtes Gedächtnis, denn die Generalversammlung ist üblicherweise an den Samstagen und insbesondere bei den Abstimmungen immer besser besucht als zu den anderen Zeiten. An der Generalversammlung 2017 war die Differenz so gross, dass die Anzahl der vorbereiteten Stimmzettel nicht ausreichte und es dadurch zu einer Stockung beim Einlass in den grossen Saal kam

»Sie hatten an den zweitägigen Beratungen zuvor nicht teilgenommen.«

Es entsteht der Eindruck, dass die Teilnehmer an dem Samstag überhaupt nicht an Beratungen teilgenommen hätten. Tatsächlich wurden von den insgesamt elf Mitgliederanträgen und dem Vorstandsantrag zur Zäsur lediglich zwei Anträge bereits am Freitag beraten, die Beratung aller anderen Anträge erfolgte auch am Samstag und wurde von den Hinzugekommenen sehr wohl wahrgenommen[2]. Die Meinungsbildung zu den beiden bereits am Freitag beratenen Anträgen (Aufhebung des Beschlusses von 1935, Entscheidung über die neue Amtszeit) dürfte wohl bereits für die allermeisten Mitglieder im Vorfeld abgeschlossen gewesen sein. Insbesondere zur Zäsur wurden von den Befürwortern einer weiteren Amtszeit in der Beratung keine inhaltlichen Begründungen angegeben, wie dies auch im Vorfeld schon nicht der Fall war. Inhaltlich substantielle Beiträge wurden ausschließlich von denjenigen vorgetragen, die die Amtszeitverlängerung infrage stellten. Die kurzen und wenig aussagekräftigen und zudem unvollständigen Berichte über ihre Tätigkeiten der beiden Kandidaten wurden erst am Samstag, entgegen der eigentlichen Planung, gegeben. Auch diese konnten von den Hinzugekommenen wahrgenommen werden.

»… Aus der Zäsur der Vorstandsmitglieder wird ein umfassender Halt – ein Halt zu einem hohen Preis.«

Wie kann man diesen letzten Satz verstehen? Entsteht ein umfassender Halt bei den Funktionären bzw. der Goetheanum-Leitung? Ein Halt gegenüber was oder wem? Der Mitgliedschaft? Und was mag mit dem hohen Preis gemeint sein?

»Denn das Wie des Wahlgeschehens hatte kaum etwas mit der viel zitierten ‹Pflege des seelisch-geistigen Lebens› zu tun.«

Auch hier nur Andeutungen, die wohl in Richtung der Mitgliedschaft zielen? Eine Unterstellung an denjenigen Teil der Mitglieder, die der Ansicht waren, dass eine weitere Vorstandstätigkeit von Paul Mackay und Bodo von Plato nicht sinnvoll sei? Es mag an anderer Stelle ausführlicher und detaillierter darzustellen sein, wie den Mitgliedern in den letzten Monaten keinerlei Urteilsgrundlagen gegeben wurden, um eine verantwortbare Entscheidung zu treffen. Es ist evident, dass lediglich berichtet wurde, dass intensive Beratungen zur Zäsur stattgefunden hätten. Über die Inhalte wurde nichts berichtet. Auch das Interview in der Wochenschrift („Das Goetheanum, 10. März 2018) ähnelt mehr einer herkömmlichen Wahlwerbung und war frei von Inhalten ebenso wie die schriftlichen Beiträge zur Generalversammlung in Anthroposophie weltweit (Nr. 1-2/2018). (Allerdings konnten sich engagierte Mitglieder die notwendigen Urteilsgrundlagen im Laufe der letzten Jahre aufgrund der ganz offenbaren Entwicklung des Goetheanum selber verschaffen und werden dies gewiss auch getan haben.) Diese Art und Weise des Umganges mit den Mitgliedern diente wohl kaum der „Pflege des seelischen Lebens … in der menschlichen Gesellschaft“[3].

»Die stehende und anhaltende Ovation für die 17 und 22 Jahre Vorstandsarbeit war dann auch der Wunsch, die eben geschlagenen Wunden schließen zu wollen – verständlich und widersprüchlich.«

Auch hier eine einseitige Beurteilung des Verhaltens der Mitglieder: Ist es für Wolfgang Held unvereinbar, dass man der Ansicht ist, es solle jemand nicht weiter im Vorstand tätig sein und ihm trotzdem menschlich und aus ganzem Herzen für die Vergangenheit stehenden Applaus zu spenden? Ist vielleicht nicht gerade in diesem Verhalten ein Beitrag zu einer „Pflege des seelischen Lebens ….“ in der Gesellschaft zu sehen?

»Nicht anders als im eigenen Seelenhaushalt, wo ein hässlicher Zug hereinbricht und entzweit und dann sein Licht wirft, so könnte hier auch in der Verdüsterung Erhellendes liegen. Ich vermute es hier: Der Schlüssel zu Demut und Großherzigkeit gegenüber dem anderen Empfinden und Verstehen findet sich nicht in den eigenen Überzeugungen und Idealen, wächst aus keinem Gegebenen, ihn wird nicht die Anthroposophie und nicht Rudolf Steiner stiften, sondern diese Großherzigkeit gibt sich allein aus dem persönlichen Entschluss, den anderen und sein Anderssein zu wollen.«

Dieser Abschluss stellt dann auch tatsächlich einen traurigen Höhepunkt dar, in dem sich der Autor in moralischen Vermutungen, subtilen Andeutungen und Beurteilungen versteigt. Handelt es sich hier möglicherweise geradezu um eine Projektion? Fehlt es nicht gerade dem Autor an „Großherzigkeit“ und Respekt gegenüber dem Denken und Wollen eines Teils der Mitgliedschaft, welches nicht seinem eigenen entspricht? Wie lässt sich das mit einem freien Geistesleben vereinbaren? Wie ist es möglich, dass in unserer Gesellschaft jemand Goetheanum-Sprecher, zuständig für die Kommunikation am Goetheanum und Redakteur der Wochenschrift sein kann, der sich öffentlich derartig herablassend, moralisierend und diskreditierend über einen Teil der Mitgliedschaft auslässt und dies bei weitem nicht zum ersten Mal?

Aber was vielleicht noch gravierender ist: wie ist es möglich, dass sich Mitglieder derartige Äußerungen, man möchte schon sagen ‚Beleidigungen‘, immer wieder bieten lassen? Und warum entsteht nicht ein Sturm der Entrüstung? In diesem letzteren Aspekt sehe ich das eigentliche Hauptproblem in unserer Gesellschaft.

Thomas Heck, 27. Mai 2018

Email: info@gv-2018.com

Website: www.gv-2018.com

[1] Auch im Internet zu finden: https://dasgoetheanum.com/ausgaben/2018/ausgabe-16

[2] Die zeitlich auseinandergezogene Gestaltung der Generalversammlung, eingebettet in die Tagung „Jahrestreffen der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft“ war im Vorfeld auf unterschiedliche Reaktionen gestoßen. Insbesondere für auswärtige Mitglieder wäre eine Teilnahme an allen Tagen mit erheblichen Kosten und Zeitaufwand verbunden gewesen.

[3] Worauf sich das Zitat von Wolfgang Held bezieht ist mir nicht ganz klar, möglicherweise bezieht er sich damit auf die Statuten der Weihnachtstagungs-Gesellschaft, dort heißt es in dem ersten Statut: „Die Anthroposophische Gesellschaft soll eine Vereinigung von Menschen sein, die das seelische Leben im einzelnen Menschen und in der menschlichen Gesellschaft auf Grundlage einer wahren geistigen Erkenntnis der geistigen Welt pflegen wollen.“